Solaranlage vs. Balkonkraftwerk – Was lohnt sich für mich?

Ob sich eine Solaranlage lohnt oder ein kleineres Balkonkraftwerk ausreicht, hängt vom Budget und von der Wohnsituation ab. Foto: ©Julian Adams / stock adobe

Die Stromerzeugung mit fossilen Energieträgern schadet der Umwelt und Atomstrom ist riskant. Eine sauberere Alternative ist die Erzeugung von Solarstrom mit einer Solaranlage oder einem Balkonkraftwerk. Worin liegen die Unterschiede und was lohnt sich mehr für Sie? Antworten gibt es in diesem Ratgeber.

Solaranlage und Balkonkraftwerk im Vergleich – die wichtigsten Unterschiede

Um zu entscheiden, ob sich eher ein Balkonkraftwerk oder eine Solaranlage für Sie lohnt, sollten Sie die wichtigsten Unterschiede kennen.

Unterschiede bei den Bestandteilen

Solaranlage und Balkonkraftwerk unterscheiden sich bereits bei ihren Bestandteilen.

Bestandteile eines Balkonkraftwerks

Ein Balkonkraftwerk ist kleiner als eine Solaranlage. Es besteht – abhängig von der Leistungsklasse – aus ein bis vier Solarmodulen. Daran befindet sich ein mit einem Wieland- oder einem Schukostecker versehenes Anschlusskabel als direkte Verbindung zum Hausnetz.

Ein Balkonkraftwerk erzeugt Gleichstrom. Damit der Strom ins Hausnetz eingespeist werden kann, ist im Balkonkraftwerk ein Mikro-Wechselrichter integriert, der den Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. Um überschüssige Energie zu speichern, kommen kleine portable Akkus in Betracht.

Bestandteile einer Solaranlage

Eine Solaranlage besteht dagegen aus mehreren Solarmodulen mit einem leistungsfähigen zentralen Wechselrichter. Die Verkabelung ist wesentlich aufwendiger als die eines Balkonkraftwerks. Der Netzanschluss ist mit einem bidirektionalen Energiezähler verbunden, der positive Wirkenergie (Bezug) und negative Wirkenergie (Einspeisung) voneinander trennt. Optional ist ein stationärer Lithium-Ionen-Heimspeicher, der überschüssig erzeugten Strom zur späteren Verwendung speichert.

Montageort

Zu den wesentlichen Unterschieden zwischen einem Balkonkraftwerk und einer Solaranlage gehört der Ort der Montage. Ein Balkonkraftwerk ist mobil. Sie können es auf dem Balkon oder auf der Terrasse aufstellen oder es an der Fassade anbringen. Die benötigte Fläche ist gering. Ziehen Sie um, nehmen Sie Ihr Balkonkraftwerk einfach mit.

Eine Solaranlage findet ihren Standort auf einer großen freien Fläche oder wird fest auf dem Hausdach installiert. Alternativ können Sie Ihre Terrasse mit einer Solarüberdachung versehen. Fachgerechte Installationen von Solaranlagen übernehmen zertifizierte Fachbetriebe, da für diese umfangreiche Fachkenntnisse erforderlich sind. Ebenso aufwendig ist der Abbau der fest installierten Solaranlage.

Leistung

Die Modulleistung bei einem Balkonkraftwerk beträgt dreihundert bis 800 Wattpeak (Wp). Bei einem Balkonkraftwerk mit Speicher ist diese mit tausend bis zweitausend Wattpeak wesentlich größer. Die Modulleistung einer PV-Anlage beträgt 5.000 bis 20.000 Wp.

Lebensdauer

Solarmodule von Solaranlagen und Balkonkraftwerken überdauern viele Jahrzehnte. Die Produktgarantie beträgt mindestens 25 Jahre. Für diese Zeit garantiert der Hersteller, dass die Module dem Wetter standhalten. Die Leistungsgarantie beträgt dreißig Jahre, was bedeutet, dass die Leistung nach dreißig Jahren noch bei 85 bis 90 Prozent liegt. Den Leistungsverlust bezeichnen Fachleute mit Degradation und er ist bei allen Modellen normal.

Jedoch bestehen Solaranlagen und Balkonkraftwerke noch aus anderen Komponenten mit geringerer Lebensdauer. Zu diesen gehören die Wechselrichter, deren Garantiezeit zehn bis zwölf Jahre beträgt. Jedoch halten sie meist 15 bis 20 Jahre. Unterschiede bei den Wechselrichtern von Balkonkraftwerken und Solaranlagen gibt es hinsichtlich der Lebensdauer nicht. Sie unterscheiden sich lediglich in der Größe.

Stromspeicher halten laut Hersteller fünf bis zehn Jahre. Erfahrungen zeigen jedoch, dass sie auch fünfzehn Jahre überdauern können. Ob sie Bestandteile einer Solaranlage oder eines Balkonkraftwerks sind, macht bei der Lebenserwartung keinen Unterschied.

Erlaubnis vom Vermieter oder Mieter erforderlich?

Hauseigentümer entscheiden selbst, ob sie zugunsten der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes eine Solaranlage oder ein Balkonkraftwerk anschaffen und deren Vorteile nutzen. Mieter haben bei einer Solaranlage, die auf dem Dach installiert wird, kein Mitspracherecht. Sie sind zur Duldung verpflichtet, wenn der Vermieter Modernisierungsmaßnahmen mit dem Ziel unternimmt, Energie einzusparen (§ 554 Abs. 2 BGB).

Sind Sie Mieter und planen, ein Balkonkraftwerk anzuschaffen, müssen Sie Ihren Vermieter fragen. Ablehnungen sind jedoch nur bei unzumutbaren Ausführungen gestattet.

Für wen lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Balkonkraftwerke eignen sich für Mieter mit Balkon, Terrasse oder Garten. Zudem sind sie eine Ausweichmöglichkeit für Wohnungseigentümer ohne Zugriff auf gemeinsame Dachflächen.

Weitere Gründe, sich für ein Balkonkraftwerk zu entscheiden, sind ein geringes Budget sowie der Wunsch nach einfachen Plug-and-play-Lösungen.

Anschaffungskosten im Vergleich

Ein Balkonkraftwerk ohne Speicher kostet zwischen dreihundert und achthundert Euro. Entscheiden Sie sich für ein Balkonkraftwerk mit Speicher, brauchen Sie für die Anschaffung zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Eine Solaranlage ist mit hohen Anschaffungskosten von 8.000 bis 20.000 EUR verbunden.

Wie viel Strom können Solaranlage und Balkonkraftwerk erzeugen?

Wie viel Strom ein Balkonkraftwerk erzeugen kann, hängt von seinem Standort ab. Zudem sind die Ausrichtung des Moduls, die Verschattung und der Neigungswinkel entscheidend. Wesentlich ist zudem die technische Ausstattung des Balkonkraftwerks. Entscheiden Sie sich für ein Modell mit 800 Watt, können Sie mit einem Ertrag von 1,8 bis 2,2 Kilowattstunden rechnen. Abhängig von der Sonneneinstrahlung und der Jahreszeit liegt der Ertrag höher oder niedriger. Ein hoher Ertrag liegt vor, wenn er zwischen neunhundert und tausend Kilowattstunden (kWh) pro Kilowattpeak (kWp) und Jahr liegt.

Besitzen Sie ein 2.000-Watt-Balkonkraftwerk mit Speicher, ist der Ertrag mit 1.700 bis 2.100 Kilowattstunden jährlich wesentlich lohnenswerter. Ein solches Balkonkraftwerk eignet sich für Familien mit einem höheren Grundverbrauch. Die größten Erträge erzielen Sie gewöhnlich in den Monaten März bis September. Aufgrund günstiger Bedingungen können Sie in Süddeutschland mit höheren Erträgen rechnen als in Mittel- und Norddeutschland.

Der Ertrag einer Solaranlage hängt ebenfalls von den Modulen, dem Standort, der Ausrichtung und dem Neigungswinkel ab. Die höchsten Erträge erzielen Sie mit unverschatteten Anlagen, deren Module einen Neigungswinkel von dreißig Grad haben und die nach Süden ausgerichtet sind.

Abhängig von den Gegebenheiten und der Anlageneffizienz erzeugt eine Solaranlage pro einem Kilowattpeak 800 bis 1.000 Kilowattstunden pro Jahr. Bei günstigen Bedingungen steigt die Ausbeute auf bis zu 1.200 kWh pro kWp. Im Internet finden Sie Ertragstabellen und Online-Solar-Ertragsrechner, mit denen Sie die voraussichtlichen Erträge ermitteln können.

Wirtschaftlichkeit und Amortisation

Mit einem Balkonkraftwerk, das aus vier Modulen besteht, können Haushalte zwischen 15 und 20 Prozent ihres Strombedarfs decken. Verlangt Ihr Anbieter 28 Cent pro Kilowattstunde, amortisiert sich die Anlage nach durchschnittlich 3,5 Jahren. Eine Einspeisevergütung zu beantragen, ist bei einem Balkonkraftwerk wenig lohnenswert, da die Folgekosten und der bürokratische Aufwand zu hoch sind. Die Investition lohnt sich am ehesten bei einer hohen Grundlast und wenn der Stromverbrauch tagsüber sehr hoch ist. Bei Familien vergehen oft nicht einmal drei Jahre, bis sich das Balkonkraftwerk amortisiert hat. Ebenso lohnend ist es für Paare, die viel Zeit im Homeoffice verbringen. Singles, die tagsüber außer Haus sind, warten länger, bis sich das Kraftwerk amortisiert hat. Wie schnell sich Balkonkraftwerke und Dach-Solaranlagen amortisieren, hängt jedoch auch von der Region ab, in der Sie leben.

Dach-Solaranlagen haben höhere Anschaffungskosten. Dennoch sind sie wirtschaftlicher und effizienter als Balkonkraftwerke. Zudem erhalten Sie staatliche Förderungen, sparen Steuern und erhalten Einspeisevergütungen. Dadurch verbessert sich die Wirtschaftlichkeit der Anlagen weiter.

Rechtliche und technische Voraussetzungen

Planen Sie die Anschaffung eines Balkonkraftwerks oder einer Solaranlage, müssen Sie zunächst die technischen und rechtlichen Voraussetzungen prüfen.

Technische Voraussetzungen

Bei einem Balkonkraftwerk messen Sie zunächst aus, ob ausreichend Platz vorhanden ist. Pro Modul benötigen Sie mindestens 1,7 Quadratmeter. Eruieren Sie zudem, ob die Tragfähigkeit des Balkons/Geländers für ein Balkonkraftwerk ausreicht. Dazu sollten Sie das Gewicht der Anlage kennen.

Ein typisches Solarmodul wiegt 18 bis 22 Kilogramm. Hinzu kommt das Gewicht für den Wechselrichter, der ein bis drei Kilogramm auf die Waage bringt. Für die Halterungen kalkulieren Sie drei bis acht Kilogramm. Um sicherzugehen, dass Ihr Balkon oder Ihr Geländer das Gewicht tragen kann, empfiehlt es sich, die Statik durch Fachleute überprüfen zu lassen. Wichtig sind zudem passende Halterungen sowie eine sturmfeste Montage.

Vor der hohen Investition in eine Dach-Solaranlage prüfen Sie, ob sich Ihr Dachtyp und die Statik für die geplante Anlage eignen. Wenden Sie sich insbesondere bei älteren Gebäuden an Fachleute. Prüfen Sie zudem, wie vielen Modulen Ihr Dach Platz bietet, denn deren Anzahl bestimmt den Stromertrag. Für diesen ist auch die Ausrichtung relevant. Optimal ist die sturmfeste Montage der Module auf Süd-, Ost- und Westdächern mit einer Neigung von dreißig bis vierzig Grad. Die Dachflächen sollten zudem nicht durch Bäume oder Schornsteine verschattet sein.

Rechtliche Voraussetzungen

Zusätzlich unterscheiden sich Balkonkraftwerke von Dach-Solaranlagen im Rechtlichen. Die Einspeiseleistung bei Balkonkraftwerken ist auf 800 Watt begrenzt. Sie sollten es innerhalb eines Monats im Marktstammdatenregister eintragen lassen, jedoch benötigen Sie keine baurechtliche Genehmigung. Vor dem Aufstellen oder der Montage des Balkonkraftwerks sollten Sie Ihren Vermieter um Erlaubnis bitten.

Höher liegen die Hürden bei einer Dach-Solaranlage. Erkundigen Sie sich bei Ihrer örtlichen Baubehörde, welche rechtlichen Voraussetzungen die Anlage erfüllen muss und ob Sie eine Genehmigung der Behörde benötigen. Solaranlagen sind meist genehmigungsfrei; es gibt jedoch Ausnahmen (Denkmalschutz, spezielle Bebauungspläne, Ensembleschutz und gewerbliche Nutzung). Verpflichtend ist es, eine Dach-Solaranlage ins Marktstammdatenregister eintragen zu lassen. Ebenfalls Pflicht sind eine technische Abnahme nach VDE-Normen und die steuerliche Registrierung bei geplanter Einspeisevergütung. Betreiben Sie eine Dach-Solaranlage, benötigen Sie zudem einen Netzanschlussvertrag mit dem lokalen Netzbetreiber.

Solaranlage oder Balkonkraftwerk – welche Lösung passt zu Ihrer Wohnsituation?

Ob sich für Sie eine Solaranlage lohnt oder ein kleineres Balkonkraftwerk ausreicht, hängt von Ihren Zielen, Ihrem Budget und Ihrer Wohnsituation ab. Sind Sie Hauseigentümer und die Dachfläche reicht aus, um langfristig hohe Stromkosten einzusparen, ist eine Solaranlage sinnvoll. Prüfen Sie, ob Ihr Budget ausreicht und ob Förderungen möglich sind. Insbesondere lohnt sich die Solaranlage, wenn Sie die Anschaffung eines Elektroautos oder einer Wärmepumpe planen.

Dagegen sind Balkonkraftwerke für Mieter eine geeignete Lösung. Hauseigentümer profitieren von den kleinen Kraftwerken, wenn sie diese flexibel einsetzen möchten oder das Budget begrenzt ist.

Verfasst von hajo